Geiz ist sowas von ungeil

Ja, ich weiß, es ist keine populäre Meinung - aber ich stehe dazu: Wer einen guten Job macht, der soll auch einen guten Lohn dafür bekommen. Das halte ich bei meinem Dorfschmied so, wenn der den Reifen flickt, das halte ich umgekehrt auch so, wenn ich in Honorarverhandlungen einsteige. Bei Ersterem gibt es das geforderte Geld und noch ein Trinkgeld dazu, bei Letzteren stehen manche potentielle Kunden etwas bedröppelt da, wenn ich den Auftrag dankend ablehne. 

Was man sich als Fast-Rentner auch immer öfter leisten kann. Und so die Nerven schont. 

Aber, zurück zum Thema, beziehungsweise zum Anlass dieses Beitrags. Heute geht es mal um Apps. Diese kleinen Helfer, die man sich schnell, unkompliziert, und oft genug kostenlos aus den Weiten des Datennetzes saugen kann. Und bei denen man dann schnell merkt, dass "kostenlos" eben Werbung bedeutet. Manchmal in erträglichem Rahmen, manchmal extrem nervig. 

Wenn der zweite Fall gegeben ist, dann schreit die Netzgemeinde laut auf. Wie, so fragt man in fast sternlosen Bewertungen, kann der Programmierer es wagen?

Mein aktuelles Beispiel ist die App MetroMan, ein wahres Gottesgeschenk für den Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs in China. Selbst AMap ist, bei aller Integrationsfreudigkeit, nicht so komfortabel. Denn MetroMan beschränkt sich auf das Wesentliche. Die Metro. Und deren Infrastruktur, samt Stationsplänen, Straßenkarten, aktuellen Fahrplänen (oder eben deren Änderung durch Wind, Wetter und andere Widernisse), den effektivsten Umsteigestationen, dem Fahrpreis. In blitzartiger Geschwindigkeit, mit den aktuellsten Daten der jeweiligen Betreiber. In allen, wirklich allen, chinesischen Metrosystemen - 55 Städte, inclusive Hing Kong, Macao und sogar Taipei. Und das auch noch zweisprachig, Mandarin und (sehr gutes) Englisch. Wer sich damit verfährt, schafft es auch nicht ohne Umweg über die Küche oder den Keller zum Klo.

Aber, kostenlos ist das eben nur mit Werbung. Die man zum Testen ohne Zeitdruck ertragen kann. Die aber im täglichen Gebrauch die App schlichtweg zum Ärgernis macht.

Also schaue ich einmal, was denn MetroMan für die Nutzung der App ohne jede Werbung haben will. Und da sehe ich: Für einen Monat € 2,09, für ein Jahr € 8,49, für die ganze Lebenszeit € 15,99. Alles sauber und sicher über den Laden des jeweiligen App-Anbieters (also Apple, Goole oder Xiaomi). Das ist, denke ich, schmales Geld für eine ordentliche Ware. Zumal der Kunde sich ja aussuchen kann, wie lange die Bindung sein soll. Wobei die Option "bis das der Tod uns scheidet" sich schon nach zwei Jahren definitiv amortisiert hat, auch wenn im Netz der Tod (einer App, nicht eines Nutzers) doch recht schnell kommen kann. Da heißt es dann, selbst abzuwägen. 

Ich habe mich schweren Herzens dazu entschlossen, MetroMan etwas meines sauer verdienten Geldes zukommen zu lassen. Tief in mir drin steckt schließlich ein sehr sparsamer Mensch, der auch schon einige Flauten erleben musste. Und so langfristig erfolgreich das Haushalten lernte. Sich aber heute noch wie ein Schneekönig freut, wenn er ein Schnäppchen machen kann. Eben in diesem Schneekönig-Modus war ich nun nach Überwindung meines inneren (finanziellen) Schweinehundes. Denn MetroMan ohne Werbung ist wahrlich jeden Cent wert. Gibt absolut keinen Anlass mehr zum Meckern. 

Und wer einen guten Job macht, der soll auch einen guten Lohn dafür bekommen.

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