Eine Art Prolog
Blogging? Das ist doch so "Old School"! Wer liest denn das? Wie soll man da auf Reichweite kommen? Und warum jetzt wieder?
Ich versuche eine Erklärung.
Lange habe ich auf Facebook einen Microblog betrieben (so man denn Postings dort mit dem klassischen Blog vergleichen kann), meine Präsenz im Internet auf Social Media reduziert. Der ganz banale Grund? Genug um die Ohren. Auch eine gewisse Schreibunlust, da ich ja beruflich schon viel schreibe. Und, ich gebe es gerne zu, ab und an der Gedanke, dass es ohnehin keine Sau interessiert, was ich so von mir gebe. Abgesehen vom fixen "Like" vielleicht. Das aber wieder wenig aussagt. Eigentlich nichts.
Das brachte mir zwei Dinge ins Leben ... Freude und Frust. Freude, eine Spielwiese gefunden zu haben, auf der ich auch alte Bekannte wiederfinden kann. Frust, dass diese Spielwiese oftmals fremdgesteuert wird. Oftmals? Im Grunde ja immer, denn Social Media wollen letztlich den Kunden so gut wie möglich ausbeuten. Dabei ist es ihnen egal, wie es dem Kunden ergeht. So ist dann die erste Euphorie über "Freunde" und "Likes" schnell dahin, denn man kommt auch in Kontakt mit Vollpfosten und Psychopathen. Selbst Plug-Ins werden dem überflutenden Anzeigenstrom nicht mehr Herr.
Und der Algorithmus serviert mir zwar einige interessante Sachen, aber auch viel (mehr) Müll, so dass ich einfach müde werde. Und die wiedergefundenen alten Bekannten verschwinden meist schnell wieder im Hintergrund, sind nach anfänglichen Strohfeuern immer seltener aktiv, einige sterben auch dahin, andere ziehen den Social-Media-Stecker freiwillig. Und die interessanten Impulse aus den Social Media werden immer rarer. Und die darauf verbrachte Zeit auf der suchtartigen Suche nach neuem Input immer länger. Und ich merke, dass mein Gemüt dadurch getrübt wird.
Dazu kam in den letzten Wochen und Monaten der Tsunami der Künstlichen Intelligenz. Man kann nur noch mühsam Fakes von Fakten unterscheiden. Elon Musk persönlich rät mir plötzlich, wie ich mein Geld mehren kann, ganz einfach (afrikanische Adelsfamilien oder ein Call Centre in Myanmar als Vermittlungsstelle). Mir werden Produkte angeboten, die es gar nicht gibt, die ich aber mit wenigen Klicks bestellen darf (schnell, der Vorrat ist knapp, ist ja auch ein Geheimtipp). Angebliche Modellbauer präsentieren Werke, die es so gar nicht geben kann, die sich sogar während des "Making of" merklich verändern. Und massenweise "historische Aufnahmen" erweisen sich nach kurzem Blick schon als hanebüchene Fälschungen.
Ich werde mit KI-generierten Bildern und vor allem Videos bombardiert, die zwar nett sind, aber deren Genuss die Reue schnell wachsen lässt. Denn mit jedem Klick darauf wird mir Lebenszeit gestohlen, ein Suchtverhalten gefördert. Und mit jedem Klick wächst die Popularität des Kanals, der dann mehr Videos durch KI erstellen lässt. Was, auf den niedrigsten Nenner gebracht, Kilowattstunden in Brokdorf-Dimensionen frisst. Und, ganz im Gegensatz zu Brokdorf, wird hier nicht mit Elbwasser gekühlt, sondern mit bestem Trinkwasser. So vernichtet der Einsatz von KI das gute Nass, es muss erneut gereinigt werden. Und zieht für einen kurzen Video mehr Strom aus dem Netz, als ich es in einer Woche schaffe. Nach meiner Kalkulation kostet eine einzelne zufriedenstellende Bildbearbeitung in ChatGPT etwa so viel Energie (und weitaus mehr Wasser), wie unser Haushalt am Tag für Tee und Kaffee aufwendet.
Das ist weder nachhaltig noch notwendig.
So entschloss ich mich dann, selber den Social-Media-Stecker zu ziehen, mich auch aus Facebook als der letzten Bastion dieses Systems zurückzuziehen. Mit diesem Gedanken hatte ich schon lange gespielt. Allein, mir fehlte der Mut. Die Angst, irgendetwas zu verpassen, sie überwog immer wieder. Aber eine zwangsweise Aus-Zeit im letzten Jahr zeigte mir schon, dass a. ich wohl nichts verpassen werde, und b. kaum jemand meine Abwesenheit bemerken wird. Also mache ich jetzt Nägel mit Köpfen, verlasse die Arena.
Ja, ich kapituliere. Und gewinne dadurch. Zeit, Ruhe, Balance. Hoffe ich.
Wie auch immer ... hier und jetzt soll ein neuer Blog entstehen. Der sich aber nicht dem zwanghaften täglichen Bloggen auf der Hatz nach dem Klick und/oder Kunden verschreiben will. Hier soll es also mehr nach Lust und Laune gehen.
Ohne Schwerpunkte, und ohne feste Agenda.
So soll der geneigte Leser (die männliche Form verwende ich sozusagen konservativ geschlechtsneutral) mal mir interessant erscheinende Neuigkeiten finden, mal reine Steckenpferde beim Ausritt beobachten, manchmal einfach auch kuriose Fundstücke serviert bekommen, und ab und an ausschweifende Essays lesen dürfen. Was mir so in den Sinn kommt. Ungeordnet. Manchmal vielleicht banal, manchmal vielleicht die Gedanke stimulierend.
Bevor wieder weise Worte kommen: Ja, kostet auch Energie, läuft auch über Datenzentren und Cloud. Aber ist noch ein eigenes, überschaubares Ökosystem. Und vor allem von mir selbst bestimmt und letztlich verantwortet, nicht von Algorithmen. Eine kleine Verbesserung.
Also, auf ein Neues ... es wird wieder gebloggt. Ich bin selbst gespannt, wo diese Reise hingeht.

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