Zum Inhalt springen

Teestunde im Doppeldecker

Wenn ich eine alte Liebe habe, dann ist das der Routemaster. Ja, der einst typische Londoner Bus, das Ratterteil an sich, mit offenem Heck zum schnellen Ein- und Aussteigen. Kein Wunder, dass es mich freute, auch in Dublin welche zu entdecken. Und Herself war schnell zu einer Testfahrt überredet … die magischen Worte „Afternoon Tea“ reichten vollkommen aus.

Nein, nein, ich habe da nicht mit einer Teestunde nach der Rundfahrt geködert. Denn die Stadtrundfahrt kreuz und quer durch Dublin mit den Routemaster von Vintage Tea Tours, der Name deutet es schon an, ist die etwa neunzig Minuten dauernde Teestunde selber. Nicht unbedingt Plüsch und Stille, eher Busbestuhlung und Fahrtlärm, aber doch unter dem berühmten Strich ein phantastisches Erlebnis.

Wie funktioniert so eine Tour nun?

Abfahrbereit … der Routemaster nimmt am chq Building die Passagiere auf.

Abgeholt wird man, bis zu dreimal am Tag, am chq Building. Ein Treffpunkt ist ausgeschildert, und pünktlich rumpelt der Routemaster heran. Nicht im Londoner Rot, sondern in einer etwas dezenteren Farbgebung, gleich den Nostalgiegedanken betonend. Aber auf den ersten Blick ein ganz normaler Bus. Wenn auch nicht ein ganz normaler Routemaster, denn die eigentlich offene Heckplattform wurde verkleidet, mit Türen versehen. Macht Sinn, weil den Veteranen sicherer. Kann niemand rausfallen, und auch kein Tee-Süchtiger während der Fahrt aufspringen.

Im Unterdeck des Routemaster befindet sich eine kleine Pantry, hier schenkt man den Tee ein (den es in einer verwirrenden Vielfalt, und in guter Qualität) gibt. Oder den Kaffee. Beides bekommt man an den Tisch gebracht, denn während der Fahrt herumlaufen sollen die Gäste nicht. Zumal die Haltestangen entfernt wurden – eine kurze Exkursion von mir (irgendwie hatte man uns beim Servieren der Getränke vergessen, peinlich) rief dann auch geradezu Panik beim Personal vor. War auch, ehrlich gesagt, ein gewagtes Unterfangen … aber wenn ein Mensch dürstet, dann hält es ihn nicht auf dem Platz.

Das Oberdeck ist der Hauptraum, ganz den Gästen gewidmet – unten gibt es wenige Sitze, die billigsten dazu, denn die Sicht ist nicht ganz so gut. Von der alten Routemaster-Bestuhlung allerdings sieht man wenig, denn es wurden reichlich Reihen entfernt, verrückt, gedreht, und noch dazu Tische installiert.

Und auf letzteren warten dann schon die Teller mit den Leckerlis …

Teestunde im Oberdeck … einfach entzückend!

Ja, und dann geht die Fahrt auch schon los – nahe an den üblichen Touristenrouten, aber auch durch einige mehr ungewöhnliche Strassen. Ganz grob geht es im großen Kreis über Connolly Station, an der Liffey entlang, durch „Georgian Dublin“, dann durch die Liberties und an den Kathedralen vorbei, in den Phoenix Park, und über Phibsboro wieder zurück zum chq. Wobei es auch für mich einige neue Perspektiven und Anregungen gab. Vom Oberdeck, noch dazu vom Sahneplatz ganz vorne, sieht man ja doch Sachen etwas anders.

Und apropos Sahne … wie war denn der Afternoon Tea?

Logenplatz mit Leckereien – kann man Dublin besser genießen?

Ja, traditionell, wie erwartet. Und auch lecker. So lecker, dass selbst Herself, sonst bei Kuchen oft etwas krüsch, keinen Krümel übrig ließ. Gereicht wurden Sandwiches, Törtchen, Brownies, Cheesecake, und die unvermeidlichen Scones, mit echter Clotted Cream aus Cornwall. Wobei sich Veganer, Allergiker und andere Extrawurstler auch ein passendes Menu zusammenstellen können, muss man nur bei der (unbedingt erforderlichen) Vorbestellung mit angeben. Unsere Sitznachbarin hatte irgendwas anderes, ich glaube ohne Gluten, sah auch durchaus lecker aus.

Die einzige Abweichung von den Werbebildern? Die Getränke bekommt man in Kunststoffbechern mit Deckel (kann man auch als Souvenir behalten, und die halten dann ewig), nicht im guten Porzellan. Was wieder Sinn macht, denn das Geschwappe und Gescheppere kann ich mir sonst lebhaft vorstellen. So ruht der Becher sicher in einem passenden Halter – die Teller sind mit Matten erstaunlich sicher fixiert, muss ich mir auch mal fürs Auto zulegen.

Nach neunzig Minuten ist man dann satt, hat Dublin gesehen, und kann den Rest des Tages angehen.

Und, Gesamturteil? Uns zumindest hat es richtig gut gefallen – mit der Einschränkung, dass die Tour eher ein „Treat“ denn eine erste Begegnung mit Dublin sein sollte. Die Vintage Tea Tours sind etwas, was man sich gönnt – sie sind nicht für das Pflichtprogramm „Dublin in einem Tag“ geeignet. Dazu nimmt man dann doch besser einen Hop-On-Hop-Off-Bus. Wer aber Dublin schon (zumindest etwas) kennt, und Lust auf eine außergewöhnliche Teestunde dazu hat, der sollte zugreifen. Mit Preisen ab 40 € kein Billigvergnügen, aber durchaus seinen Preis wert.

Informationen und Buchung: Vintage Tea Tours