„Schreibblockade“ wegen Wassollndas

Duster sieht es aus, wie auf dem Bild, und düster ist mir der Sinn … da hängt man an einer Auftragsarbeit, und findet eigentlich überhaupt keinen Zugang zum Thema. Weil man sich fragt, was der Auftraggeber sich jetzt eigentlich gedacht hat. Und prompt kommt der große Prokrastinator an die Oberfläche. Rausschieben. Mancher Schreiberling mag jetzt vollmundig von „Writers‘ Block“ schwafeln. Aber den, das wissen die Handwerker des Wortes genau, gibt es eigentlich gar nicht. Er ist eine Erfindung der Ausgebrannten, um ihre Untätigkeit zu entschuldigen.

Gut, ich will fair sein: Wer wirklich kreativ ist, dem oder der können schlicht die Ideen ausgehen. Das ist dann eine Blockade, die man kaum umschiffen kann. Aber: Es sind die Ideen, nicht das Handwerk. Keine Schreibblockade (das wären zwei gebrochene Hände), sondern ein Versiegen des Fundus, aus dem man das nächste Kapitel oder Buch schöpfen will. Sieht man bei Bestsellerautoren oft nur zu gut – die anfänglich guten Bücher werden im Laufe der Zeit zu ihrem eigenen Genre, Grundmuster wiederholen sich, eine Idee stirbt einen langsamen, qualvollen Tod. Manchmal schon in einem Buch … Timur Vermes und sein „Er ist wieder da“ ist mir da ungut in Erinnerung, fängt fulminant an, quält sich keinem Ende entgegen, hinterlässt schalen Nachgeschmack.

Also, vergessen Sie die Überschrift, ich habe keine Schreibblockade. Ich leide nur an akuter Unlust. Weil ich mich während des Schreibens, das nicht im gewohnten Tempo abgeht, immer wieder frage: „Was soll denn das? Wer soll, wer will das denn lesen?“

Tja, das ist nun mal das Schicksal des Freiberuflers. Muss man durch, um zu überleben. War immer schon so. Selbst als junger Reporter im Schwäbischen wusste ich: Wenn heute nicht noch etwas passiert, gibt es nur Zwieback zum Abendbrot. Ein knackiger Verkehrsunfall konnte, mit Bild, immerhin schon den Besuch in der Pizzeria sichern. Mehrfach. Aber an „slow news days„, in der Sauregurkenzeit, da wurden selbst Kurzmeldungen zu Firmenjubiläen zum Rettungsanker.

Ist heute nicht anders, nur nennt sich das jetzt „Gig-Economy„, wird von weiten Bevölkerungsteilen als normal akzeptiert, und von immer mehr Menschen selbst in den traditionell „sicheren“ Berufen praktiziert. Sogar Notärzte vermieten sich heute schichtweise, nicht als Zubrot, sondern zum Überleben. Von Uber-Fahrern und Auslieferungsradlern mal ganz abgesehen. Doch immerhin: Man ist sein eigener Herr. Oder seine eigene Herrin. Muss man ja auch aufpassen, wo doch schon Wandgedichte purer Sexismus sind. Welch Geschlecht auch immer, man geht glücklich selbstbestimmt in die Pleite, wenn es nicht klappt.

Aber was schwafel ich – es geht kein Weg an diesem Auftrag vorbei. Ausser, ich werfe ihn hin. Und das wiederum kann, wie das Flattern eines Schmetterlings, einen langen Schwanz an Folgen nach sich ziehen. Will man ja auch nicht. Denn in der Gig-Economy achtet kein Auftraggeber wirklich noch auf die Qualität, man schielt auf Schnelligkeit (oder zumindest die Einhaltung von Terminen), niedrige Preise, den reinen Profit. Und wenn der bislang hoch angesehene Freiberufler plötzlich „unzuverlässig“ wird, „Zicken macht“, dann ist er raus. Ein Eiertanz, den es aber auch immer schon gab.

Also frisch ans Werk … schließlich geht es ja nur um einen sehr kurzen Text, einen Werbetext an sich nur. Für „Laufkundschaft“. Und wenn der Kunde meint, der Text wird gelesen, dann ist er König. Analysieren, wie lange der Besucher bis zum entscheidenden Kauf- oder Anmelde-Klick auf der Seite verweilt, das macht ohnehin niemand. Die Optik, und die versprochenen Schätze, sind hier doch wichtiger als der Text selber.

Da kommt mir doch schon eine Idee zum Einstieg.

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