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Nur zwei Sterne – das ist düster

Man sollte sich Bewertungen und Kritiken nicht ansehen, wenn man zart besaitet ist … aber da ich meist eher als Pachyderm daherkomme, lese ich sie doch. Und wundere mich ab und an. Etwa bei Amazon. Wo das DuMont Reise-Handbuch Irland nach durchgehend fünf Sternen jetzt mit einer Zwei-Sterne-Bewertung etwas absackte. Gleich vorweg: Teilweise hat der Rezensent ja durchaus Recht!

Über die typographische Gestaltung des Buches kann man sicherlich geteilter Meinung sein – mir persönlich gefällt sie sehr gut, aber die Sache mit der „Barrierefreiheit“ ist sicherlich zu bedenken. Wobei ich sagen kann, dass auch mein Augenlicht nicht immer optimal daherkommt. Was ich mit Gleitsichtbrille und, wesentlich wichtiger, guter Beleuchtung ausgleiche. Und da habe ich dann auch mit dem Reise-Handbuch Irland kein Problem. Gut, im Dämmerlicht im Auto muss man schon etwas genauer hinschauen. Gebe ich ja zu.

Also, wie schon gesagt – optimal vom Standpunkt der Lesbarkeit unter allen Lichtverhältnissen ist das Layout vielleicht nicht, aber ich bin da kein Experte.

Was mich aber dann doch etwas kratzte, das war Mecker über den Inhalt, nicht die Form. Und der wurde gewissermassen nachgeschoben:

Was am Inhalt etwas zu bemängeln ist, ist die Erwähnung von Kneipen und Restaurants nach jeder Ortsbeschreibung. Das ist bestimmt sehr ausführlich und gut gemeint, auf Dauer nervt das aber Menschen, für die der Kneipengang nicht so wichtig ist.

Äh, ja … tut mir nun leid, wenn das nervt. Aber ich denke, dass die weitaus meisten Menschen für Restauranttipps dankbar sind (selbst ich manchmal, der sich sonst meist eigentlich eher in das nächste billige Lokal schwingt, ob in Budapest oder Beijing – aber auch in Deep Down Donegal schon fürchtete, wieder ein Tankstellensandwich inhalieren zu müssen).

Und, was ich noch fester glaube: Welchem Irland-Besucher ist der Kneipengang denn nicht wichtig? Irgendwie gehört das Guinness im Pub doch zu Irland wie für den Bildungsbürger der Böll, oder für den Freizeitrevoluzzer die republikanische Pilgertour durch West Belfast. Ja, ich gestehe ein, nicht jeder Irlandbesucher kommt wegen der Publandschaft, aber für die meisten Touristen ist der abendliche Besuch am Tresen wohl Pflichtprogramm. Wobei man natürlich über Authentizität streiten kann, wenn man entdeckt, dass der im Reiseführer an einem Touristenort empfohlene Pub längst kein Geheimtipp mehr ist, sondern Dank eben der Empfehlung der Treffpunkt der reisenden Germanen. Auch hier kann ich nur wieder sagen, dass der gewagte Gang ins schummrige Ecklokal eben manchmal „echter“ wird, logisch.

Naja, wie auch immer – einen nicht stark spezialisierten Irlandführer ohne Restaurant- und Kneipentipps wird man kaum finden. Gehört dazu. Bleibt so.

Und ich kann mir vorstellen, dass die ewige Erwähnung von Museen, Galerien oder gar Theatern so manchen Menschen, für den Kultur nicht so wichtig ist, auch nervt.