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Immer aktuell ist kein Buch …

Manchmal ist man eben online-verwöhnt, wenn es an die Buchlektüre geht. Was im Netz schnell und tagesaktuell verbessert werden kann, das muss im Druck schlicht bis zur nächsten Auflage warten. Und so zog ich mir dieses Jahr gleich zweimal Leserschelte zu. Eigentlich unberechtigt. Stein des Anstosses? In beiden Fällen die Fähre über den Foyle, zwischen Greencastle (County Donegal) und Magilligan (County Londonderry/Derry) hin und her tuckernd. Oder eben auch mal nicht.

Der Hintergrund ist ein Politikum – eigentlich ist diese Verbindung zwischen der Republik und Nordirland gar nicht lebensfähig, man wird mit Staatsgeldern über Wasser gehalten. Und eben diese Staatsgelder fließen gerade in Zeiten von Regierungskrisen und Rezession weder großzügig noch beständig. Des Pudels Kern – gibt es keine Zuschüsse, fährt auch keine Fähre.

Aber als wir den Stefan Loose „Irland“ für 2016 in trockene Tücher brachten, fuhr man eben noch. Und so kam denn auch die Fähre mit hinein. Was nun 2017, Anfang des Jahres, einen Mobilcamper am Strand von Magilligan stranden ließ. Er hatte sich auf die Angabe im Reiseführer verlassen, und durfte nun mangels Fähre wieder zurückfahren. Ärgerlich. Und wer den Schaden hat, braucht bekanntlich für Spott nicht zu sorgen – ein anderer Wohnwagen-Tourist meinte nur süffisant, man hätte das ja auch mal im Internet vorab checken können. Wie er eben. Der Schlaue!

Gut, das Resultat um das anhaltende Hickhack um die Fähre war dann, dass wir im DuMont Reise-Handbuch „Irland“ für 2017 die Verbindung schlicht wegliessen. Nach dem Motto: Was es bei Redaktionsschluss nicht gibt, und was auch nicht mit baldiger Eröffnung oder Wiederauferstehung rechnen kann, das kommt nicht rein. Sicher ist sicher. Und bei Erscheinen im März war auf dem Foyle auch noch keine Fähre. Erst später konnte man einen regulären, aber auf die Hauptsaison beschränkte Fährdienst wieder aufnehmen.

So weit, so gut … später im Jahr gab es also wieder Geld, man legte ab. Was dann einen Leser doch recht heftig echauffierte, ein geharnischter Leserbrief war die Folge. Denn der Leser hatte sich auch wieder ausschließlich auf den Reiseführer verlassen, den ohne Fähre jetzt, und war von Inishowen zum Giant’s Causeway auf der herkömmlichen Strecke via Londonderry/Derry gefahren. Und das habe ihm nun drei Stunden unnötige Fahrtzeit gekostet …

Den Ärger kann ich irgendwo verstehen, mich selbst wurmt sowas auch immer – aber das mit den drei Stunden, die der Weg über die Maiden City länger sein soll, das wollte mir auch wieder nicht aus dem Sinn. Schließlich kenne ich die Ecke ganz gut. Also bemühe ich mal Google Maps, und den dortigen Routenplaner. Zunächst von Greencastle zum Giant’s Causeway mit Fähre:

Und jetzt mal ohne Fähre:

Die maximale Ersparnis? Selbst, wenn man die Fähre ohne Wartezeit sofort befahren konnte, und die dann auch prompt ablegte, maximal 17 Minuten. Was von den 180 reklamierten Minuten doch schon etwas entfernt ist. Die Strecke ist natürlich mehr als doppelt so lang, die paar Liter Treibstoff allerdings kann man von den Kosten her locker mit dem Fährpreis verrechnen. Und der kleine Zeitunterschied bei immensem Streckenunterschied erklärt sich, wenn man die Strassen von Magilligan und durch Coleraine kennt. „Schnell“ ist da Fremdwort, selbst wenn nicht gerade Besuchszeit im Knast ist.

Summa summarum – immer 100% aktuell ist kein Print-Produkt. Und bei dem realen, nicht gefühlten, Zeitverlust kann zumindest ich auch noch ruhig schlafen. So dramatisch, denke ich zumindest, sind siebzehn Minuten (die man beim Warten oder im Verkehrschaos am Knast auch schnell verliert) dann doch auch wieder nicht.