Hünengräber im Kleinformat

Als ich noch ein junger Bursche (und auch etwas kleiner als heute) war, da zog ich mit meinem Opa durch die schleswig-holsteinische Landschaft. Und bekam so allerlei Flunkerei zu hören. Aber sah auch viele faszinierende Dinge. Denn Opa konnte alte Sachen entdecken, zeigen, erklären. Hatte einfach einen Blick dafür, und ein Talent. Und eine der interessantesten Kategorien für mich, das waren die Hünengräber.

Ja, heute weiß ich, dass das Megalithgräber sind, die mit Hünen und Germanen eigentlich wenig bis nichts zu tun haben, vielleicht noch nicht unbedingt einmal primär als Grabanlagen gedacht waren. Aber das Wort blieb haften. Und passt auch irgendwie, denn mangels anderer Indizien ist die mit ihnen verbundene Mythologie (die Liebe zu Sagen und Märchen wurde mir auch früh in die Wiege gelegt) oft interessanter als die Wissenschaft drumherum. Aber keine Sorge, ich bin nicht einer von den Verwirrten, die bei Mondenschein durch den Frühtau zum Zwerge ziehen, oder selbst erfundene Rituale als „alte Religion“ vermarkten. Nö, mich fasziniert die Bauweise, die Dauerhaftigkeit, teilweise auch die Verteilung in der Landschaft. Leys hin oder her.

Und in Museen schaue ich mir gerne Schaubilder, Dioramen und Modell zum Thema an. Selber gebaut habe ich nur einmal ein Hünengrab, als Landschaftsteil für Warhammer. Tupperschale umgedreht und verspachtelt, viel zu regelmäßig, aber dennoch bewundert. So, nun aber zu den etwas professionelleren Modellen …

Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg

Mein alter Modellbaufreund Hans Trauner hat mir dieses Bild zugespielt … ein Modell in einem Museum, das schon als Modell einen Museumswert hat. So stellt das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg die archäologische Arbeit an einem Hünengrab da. Irgendwie schon knuddelig und nett, oder?

Alte Archäologen bei der Rast … © Hans Trauner

Gut, wen die Deckensteine jetzt an die Rückansicht der Venus von Willendorf erinnern, dem sei auch verziehen.

Newgrange

Newgrange ist ja nun Megalithkultur zum Anfassen, wenn man es glaubt … aber die Ausstellung im Brú na Bóinne Visitor Centre (dem einzigen Zugang zur Anlage) greift auch wieder auf Miniaturmodelle zurück. Interessant vor allem, weil der Zustand von Newgrange vor und nach der Renovierung gezeigt wird:

Newgrange bei Ausgrabungsbeginn …
Newgrange nach der Grundüberholung …

Ulster Museum

Das Ulster Museum in Belfast versucht dagegen, die wesentlichen Unterschiede in den Bauformen der Megalithanlagen zu erklären – was vor der Neugestaltung des Museums durch den Blickwinkel und die verteilte Anordnung der Modelle in verschiedenen Vitrinen nicht immer ganz klar war:

„Court Tomb“ im Ulster Museum …
„Passage Tomb“ im Ulster Museum …
„Portal Tomb“ im Ulster Museum …
„Wedge Tomb“ im Ulster Museum …

Heute dagegen hängen die Modelle nebeneinander an der Wand, und in der Draufsicht sind die Unterschiede (zumindest in/mit meinen Augen) klarer erkennbar:

„Court Tomb“ heute im Ulster Museum …
„Passage Tomb“ heute im Ulster Museum …
„Portal Tomb“ heute im Ulster Museum …
„Wedge Tomb“ heute im Ulster Museum …

Museum für Archäologie Schloss Gottorf

Jetzt aber zurück nach Germanien, und zu meinen Lieblingsmodellen – die stehen nämlich im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum auf der Museumsinsel Schloss Gottorf. Und haben ihren ganz besonderen Reiz durch die unterschiedliche Art der Darstellung.

Als erstes wäre da das nachgestellte Großsteingrab Karlsminde, ein auch heute noch gut zu sehendes „Langbett“. In Gottorf ist die ganze Anlage recht übersichtlich und sozusagen im Neuzustand dargestellt. Komplett mit einem „Kuchenschnitt“, der auch das Innenleben deutlich macht.

Großsteingrab Karlsminde im Schloss Gottorf

Etwas anders ging man an das Hügelgrab von Denghoog (das Original findet man auf Sylt) heran. Und zwar mit dem ganz großen Spaten, so scheint es. Jedenfalls wird das Schnittmodell in der Art einer archäologischen Ausgrabung präsentiert. Mag für den Laien gut wirken, der Fachmann wundert sich eher. Aber: Ein guter Einblick. Der auch den modellbauerischen Fortschritt erkennen lässt, im Vergleich zu dem etwas einfacheren Modell aus Nürnberg (siehe oben).

Hügelgrab von Denghoog, servierfertig …

Und dann wäre da noch das Modell der Grabanlage bei Flehm, die in einer Art „Time Warp“ präsentiert wird. Links die Anlage kurz nach dem Bau, dem Karlsminde-Modell recht ähnlich … dann der Zahn der Zeit, und rechts der bittere Rest in der Neuzeit. Samt einer (dem Größenvergleich geschuldeten) Bauernmagd, die einen Blecheimer spazieren trägt.

Grabanlage bei Flehm, mit Humor!

Aber wer genauer hinsieht, der entdeckt, dass der stattliche Förster bei der Maid noch einmal genau hinsieht.

Nur ein kurzer Blick …

Und das, was er da sieht … lenkt ihn so sehr ab, dass Meister Reineke im Hintergrund seelenruhig vorbei spazieren kann. Tut mir leid, ich mag nunmal solche kleinen Gimmicks!

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