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Frühling, frisch ans Werk!

1. Februar in Irland, früher als Imbolc bekannt, heute als Lá Fhéile Bríde, St. Brigid’s Day. Samt Verschleppung „heidnischer“ Bräuche in das Christentum örtlicher Prägung. Und gemeinhin „Frühlingsanfang“ auf der Insel. Gut, beim Nachbarn blühen die Schneeglöckchen, aber so richtig Frühling ist es garantiert noch nicht. Für mich allerdings heißt es „Frisch ans Werk!“ Denn der nächste Reiseführer, der dicke DuMont, will überarbeitet sein. Teilweise auch nötig, muss man zugeben.

Gut, ein Reiseführer als Buch kann nie zu 100% aktuell sein, aber man kann sich dem hehren Ziel annähern. Mit regelmäßigen Überarbeitungen eben, die primär die Fakten überprüfen. Und die alte Infos verwerfen, neue hinzufügen, manchmal auch nur Bewertungen nuancieren. Je nach Anspruch darf man auch neu schreiben, die mehr „weichen“ Themen zu Land und Leuten bieten sich hierfür geradezu an. Warum nicht einmal einen anderen Aspekt etwa des Nordirlandkonfliktes beleuchten, oder ein Vorurteil ins rechte Licht rücken?

Hier nun ein visueller Einblick in die Arbeit, wie sie sich dem Autoren heutzutage präsentiert:

Der Arbeitsplatz des modernen Schreiberlings …

Wer das mit dem historischen Stuttgarter Foto eines Arbeitsplatzes vergleicht, der wird sich wundern. Hat der Biege gar die Ordnung gelernt? Nein, eigentlich nicht, denn der norddeutsche Dackel hängt immer noch seiner ganz persönlichen Chaostheorie an (nämlich, dass er es beherrscht). Nur ist ein Resopal-Schreibtisch voll von Layout-Bögen, Druckfahnen, Notizzetteln und Kaffeetassen abgelöst worden durch den virtuellen Schreibtisch im Laptop. Ungeheuer mobil. Und immer aufgeräumt aussehend. Jedenfalls, wenn man den Deckel zuklappt.

Nur die Kaffeebecher, die stehen nach wie vor überall rum. Rum gelegentlich auch, für den Pharisäer in mir.

Kurzum … in der heutigen Zeit liefert der Verlag mit einigen Sekunden Versandweg das komplette Buch als PDF-Dokument. Und dann betätigt der Autor einfach einen Schalter, geht in den Kommentar-Modus, und kann direkt im (elektronischen) Buch seine Veränderungen vornehmen. Was für ein Unterschied zur alten Arbeit mit Stift, Korrekturzeichen, und kiloweise Papier. Sauber, schnell, und in den weitaus meisten Fällen keineswegs missverständlich. Ein Segen für alle Beteiligten.

Dabei sind die angebotenen Möglichkeiten zur Korrektur schlicht umwerfend – Text streichen, Text ersetzen, Text neu einfügen, alles wird sauber erledigt. Als Anmerkung natürlich nur, denn endgültig macht solche Überarbeitungen erst eine Fachkraft im Verlag. Sonst wäre das Risiko zu hoch, dass der im System nur angelernte Autor es total versaut. Der Arbeitsplatz dort blieb also auch erhalten, man hört es mit Freude, nur wurde die Arbeit um Längen einfacher. Allein die Versuche, winzige, in Sauklaue hingeworfene Änderungswünsche zu entziffern, der hat manchem Menschen den letzten Nerv geraubt. Und oft genug zu echten Heulern geführt.

Sie merken schon, ich liebe diesen technischen Fortschritt.

Allerdings birgt er auch Gefahren – zum einen kann man sich verzetteln, den Überblick verlieren – was ist noch zu tun, was hat man schon auf welchen Aspekt hin untersucht, wo war man noch gleich im Gesamtbild? Da hilft eine Projektplanung, für mich eine recht einfach gehaltene Excel-Datei, mit bunten Farben automatisch errechnete Prozentzahlen schnell zur Übersicht präsentierend. Im Moment ist noch alles im roten Bereich, aber irgendwann grünt es hier und da, dann auf dem kompletten Spreadsheet. Macht den Fortschritt ohne langes Blättern und Suchen visuell.

Die andere Gefahr, das ist natürlich der gefürchtete Datenverlust. Aber auch dem kann man heute ganz einfach (weitgehend) vorbeugen. Mit Sicherungskopien, auf externen Festplatten (ja, Mehrzahl – es geht schließlich um Lohn und Brot, nicht die High-Score-Liste). Und mit der „Wolke“. Auf die man regelmäßig, mindestens täglich seine aktuellen Versionen schiebt. Gelagert irgendwo am anderen Ende der Welt, aber von überall in der Welt (so man denn den Zugang kennt) abfragbar. Wie ich neulich zu einer Kollegin sagte: Wenn man das konsequent durchzieht, dann kann der Computer explodieren und die Bude abbrennen … so man selber heil rauskommt, ist die Arbeit gerettet.

Aber genug der Worte, so ein Buch überarbeitet sich ja nicht von allein. Und auch wenn das Überprüfen von reinen Daten am Fließband nicht sehr befriedigt, die Arbeit an den mehr redaktionellen Teilen macht ja auch Spaß. Mir zumindest.