Die weiße Hölle vom Mount Nougat

Hat man einige Jahre in Irland gelebt, ist man den Irrsinn gewohnt. Wie mein alter Kumpel Andreas sagt: „Ach ja, irischer Blizzard … also wenn ein Österreicher überlegt, doch mal Handschuhe anzuziehen!“ Und jetzt ist es wieder so weit.

Sogar das Wetteramt Met Éireann hat mitgemacht, Alarmstufe Rot ausgerufen: „STATUS RED – Snow-ice Warning for Dublin, Kildare, Louth, Wicklow and Meath“ Das klingt dann doch recht bedrohlich. Für Leib und Leben. Und die dazugehörige Erklärung der Warnstufen macht es umso dringlicher. „The issue of RED level severe weather warnings should be a comparatively rare event and implies that recipients take action to protect themselves and/or their properties; this could be by moving their families out of the danger zone temporarily; by staying indoors; or by other specific actions aimed at mitigating the effects of the weather conditions.“ Also, evakuieren oder daheim bleiben. Oder so. Zumindest aber mal Panik schieben. Und zum Panikkauf aufbrechen.

Glauben Sie nicht? Hier die Realität in örtlichen Supermärkten am frühen Nachmittag des gestrigen Dienstags, sprich die Brot- und Gemüseauswahl im Aldi, sowie das Milchangebot im Lidl:

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Da fällt mir dann doch nur wieder ein, was uns in Zeiten des Kalten Krieges immer eingeprägt wurde, durch den Bundesverband für Selbstschutz (für die jüngeren Leser … gibt es seit 1997 nicht mehr): Notfallpaket, Notvorrat. Ein spartanisches Mindestmaß an nützlichen Dingen, die man im Haus haben sollte, für den Fall der Fälle. und mit denen man so um die 14 Tage ohne Not durchkommen konnte. Zwei Wochen! Das ist angesichts der derzeitigen Katastrophenstimmung in Irland ein Zeitraum jenseits der Vorstellungskraft. Und was auch kein Mensch hier begreift: „Notvorrat“ heißt, einen Vorrat an nicht (schnell) verderblichen Lebensmitteln anzulegen. Was nützt einem denn das „White Sliced Pan“ (auf Deutsch: Industrie-Toastbrot), wenn es nach drei Tagen schon schimmelt? Was nützt Frischmilch, die bald kippt? Und was macht man mit all der Tiefkühlpizza (auch ein Mangelgegenstand derzeit), wenn der Strom ausfällt?

Da schaut sich dann der germanische Migrant seinen Vorratsraum an, bestückt mit Dosen-, Schwarz- und Knäckebrot, bereichert mit Konserven, und für alle Fälle Wasser und Kaffeeweißer … und sagt: „Lasst das Biest aus dem Osten kommen, wir sind bereit!“ Auch Dank kleinem Generator, dazu passender Kochplatte, und einem Holzofen. Leben auf dem Lande für Anfänger. Nur, wenn die Wasserpumpe einfrieren sollte, dann könnte es bei der Notdurft etwas kalt um den Allerwertesten werden. Überlebbar.

Gleichzeitig fragte ich mich, angesichts der akuten Wetterverhältnisse gestern …

Dienstag Nachmittag: Die ersten Wolken … aber noch kein Grund zur Panik!

Ja, ich fragte mich, warum offensichtlich die Logistik nicht klappte. Rückblende auf die Schneekatastrophe Ende der 1970er … als Katastrophenhelfer war ich auf einem Großraumkrankentransportwagen unterwegs, und eine der Aufgaben war der Einkauf von Verpflegung für den Eigenbedarf der Einsatzkräfte. Also zum nächsten Supermarkt, mitten in der Stadt, und gemütlich ausgewählt. Kein Scherz. Es war eigentlich alles da (frisches Brot und Milch gingen erst nach Tagen zur Neige), und man konnte noch nach Gusto kaufen.

Derzeit in Irland? Noch bevor der Schnee kam, waren die Regale leer. Selbst auf dem Lande, wo man eher auf Probleme eingerichtet ist.

Meiner Meinung nach ein Problem der schönen neuen Welt, in der Logistik weit vor Lagerhaltung kommt. Ob Aldi, Lidl, Dunnes oder SuperValu, richtig große Lager haben die alle nicht (mehr). Seit Jahren regiert das Verfahren „Just in Time„, der Lieferant muss zusehen, dass die Ware ins Regal kommt, ohne dass sie sich erst im Lager findet. Kurzum: Die Landstraße ist das Lager, der Lieferlastwagen ersetzt den Vorratsraum. Und das hat auch auf die Bevölkerung abgefärbt. Ging man früher nach einmal die Woche richtig einkaufen, wird heute schnell auf dem Weg nach Hause das Nötigste für den nächsten Tag geholt. So kann dann schon eine relativ kurzfristige Unterbrechung der Verkehrswege zu echten Engpässen führen. Und zu Panik …

Naja, ich schaue mir das Ganze in Ruhe an, das Auto hat noch immer sehr gute Neureifen, das Dach ist dicht, für alle Eventualitäten ist relativ gut vorgesorgt, vom Medikamentenschrank bis zur Schokoladenration (Energiespender, natürlich nichts anderes). Nur die gute alte EPa fehlt mir … war immer ganz praktisch.

Und das Wetter heute? Minus 3,8, und etwas Schnee.

Bis zur Katastrophe sind es noch ein paar Zentimeter, glaube ich …

Mal sehen, was noch so kommt.

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