Das Ende ist nah!

Seit Jahrzehnten beobachte ich die typisch irischen Vorbereitungen auf die Apokalypse, die Hamsterkäufe, in Panik angesichts des nahenden Osterfestes. Dieses Jahr garantiert für Chaos sorgend. und reichlich dicke Köpfe. Denn das Ende ist wirklich nah! Morgen wird alles anders sein …

Schlimmer als die Brotnot im Schnee – bislang gab es am Karfreitag in Irland weder Bier noch Schnaps, konnten allenfalls Bahnhofsgaststätten an Reisende ausschenken (was einiges über das Vertrauen in Irish Rail sagt, nur mit Promille zu nutzen), war der Vorratskauf von ein bis vierundzwanzig Sixpacks am Gründonnerstag Tradition. Vor allem im Grenzgebiet, wo man nach Feierabend noch schnell die nordirischen Off Licences stürmt, um den Republikpreisen ein Schnäppchen zu schlagen. Das Motto dabei: Wenn am Karfreitag wirklich die Welt untergeht, dann haben wir wenigstens noch genug Bier bis Ostersonntag. Oder so.

Und ich schätze, dass am heutigen Gründonnerstag die Kolonnen nach Norden noch heftiger sein werden. Motto: Nach dem Brexit gibt es nichts mehr!

Könnte knapp werden …

Wobei, eigentlich alles Quatsch – 2018 wird das erste Jahr sein, in dem am Karfreitag auch in Irland wie gewohnt gekauft und gesoffen werden darf. Und das werden nicht nur kulturbeflissene Touristen in Temple Bar genießen, schätzungsweise wird jeder (offene) Pub gerammelt voll sein. Nicht alle Pubs öffnen, das Ende der christlich-abendländischen Kultur ist schließlich in manchen Augen durch Karfreitags-Pints noch näher gerückt. Aber die offenen, und das wird zumindest in urbanen Bereichen die Masse sein, werden das beste Karfreitagsgeschäft aller Zeiten machen.

Was ich ganz ohne Ironie sage.

Denn „alle Zeiten“ schließt auch die Zukunft ein. Und meine Prognose für selbige: Morgen wird man in den Pubs keinen Platz und nur mit Mühe ein Bier bekommen. Karfreitag 2019 dagegen, übrigens gleich am 19. April im Saufplaner eintragen, wird der irische Pub „Business as Usual“ melden. Denn einerseits wird die Novität des Heiligen Suffs schnell verblassen, wenn man etwas darf, ist es meist nicht mehr so reizvoll. Und andererseits ist der Karfreitag ja gar kein echter Feiertag, die Mehrzahl der Bevölkerung muss ohnehin arbeiten (Banker und Beamte ausgenommen).

Was ich aber auch prognostiziere: Dieses Osterwochenende wird das hochprozentigste seit Beginn der Zeitrechnung!

Denn ich glaube fest daran, dass trotz der Liberalisierung der Alkoholgesetzgebung ein Großteil der irischen Bevölkerung die Panikkäufe nicht lassen können wird. Und dass sich demzufolge ab heute Abend in vielen Haushalten der grünen, aber bald blauen, Insel die Kisten mit Billigbier und die Schnapsflaschen vom Discounter den verbliebenen Platz streitig machen. Kann man den Regierenden denn wirklich trauen? Vielleicht war das mit dem Alkohol am Karfreitag ja nur Fake News, um den Lebenswillen der Quartalssäufer zu brechen? Also besser nochmal schnell los, drei 24er-Kartons Budweiser schafft man doch immer noch. Resultat – was normalerweise für die Hausparty angestapelt war, wird jetzt zum Vorglühen vor dem experimentellen Pubbesuch verwendet, und natürlich danach zum Pegelerhalt.

Glücklich jeder Mensch, der dieses Wochenende nicht in einer Notaufnahme arbeiten oder mit einem echten Notfall warten muss …

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