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Chinesisches Neujahr in Dublin – angekommen!

2018, als das Jahr des Erd-Hundes eingeläutet wurde, war ich mal wieder so richtig zufrieden mit dem Angebot zum chinesischen Neujahr (春節). Das lag an mehreren Dingen. Vor allem aber am Gefühl, dass das Frühlingsfest nun endlich wirklich in Dublin angekommen ist. Und zwar als Fest der chinesischen Gemeinde, nicht als westlich dominierte Belustigung.

Ein Bauchgefühl, dass sich vor allem aus der Beobachtung ergab. Als die große Feier noch am Wolfe Tone Square (neben dem Jervis Centre) abgehalten wurde, da steckte man in den Kinderschuhen. Und es war teilweise etwas unbeholfen, ein recht willkürlich zusammengestückeltes Programm, vor allem zum zuschauen. Dann zog man nach Temple Bar um. Und wie fast alles, was nach Temple Bar zieht, wurde es krass, eng, kommerzialisiert und viel zu „international“. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass die wenigen anwesenden Chinesen nur noch Eye Candy darstellten. Selbst der Drachentanz war fest in westlicher Hand.

Nun feiert man im chq, dem öden Fresstempel des IFSC, den man allenfalls wegen der wirklich sehenswerten Ausstellung EPIC – The Irish Emigration Museum ansteuern sollte. Aber wenn die Migranten im chq aufschlagen, dann kommt Leben in die Bude. Pseudo-bajuwarisch bei den elenden „Oktoberfesten“. Und jetzt eben auch chinesisch. Aber, und das ist die gute Nachricht, nicht pseudo-chinesisch. Denn die Langnasen waren heuer in der Minderheit. Und was einst etwas von Hagenbecks Völkerschau hatte („Heute gehen wir Chinesen gucken …“), das hat sich zum Familienfest eben der Chinesen und ihrer Freunde gewandelt.

Gratulation! Als Asiaphiler (und das ist nun wirklich nicht sexuell gemeint, sondern rein auf die Kultur bezogen, muss man ja heute doppelt und dreifach klar stellen) hatte ich den Eindruck, dass hier Chinesen (als Sammelbegriff genommen) feierten, und man als „Westlicher“ zwar gern gesehener, aber nicht das Prozedere dominierender Gast war. Oh Gott, man fühlt sich also schon als geduldeter Gast im eigenen Lande … da kann Storch Trixi ja gleich mal losklappern. Nur kurz dazu bedenken, bitte: Welcher judäo-christlich geprägter Mitteleuropäer hat sich eigentlich um das chinesische Neujahr gekümmert, bevor es Mode wurde? Koi Sau, wie Gottfried Häberle sagen würde. Also, immer langsam mit den jungen Pferden!

Und, und was gab es nun? Gut futtern, Glückshunde aus Plüsch, tanzende Drachen, Schlangen und Löwen, Wohlstand verheißende Symbolik, den unvermeidlichen Bubble Tea, und wirklich reichlich chinesische Kultur. Definitiv nicht nur nach dem Motto „ein Dutzend Westler zeigen, wie gut sie Tai Chi gelernt haben“ (gab es auch, zugegeben) oder spielen Shaolin. Nein, chinesischer Volkstanz, Brettspiele, Teezubereitung, traditionelle Musik, „Zuckermalerei“ (viele Kinder schleckten sich der Karies entgegen, bei nur € 2 kein Wunder), einen kleinen Basar, Kostüme, Kalligraphie … hier mal ein paar bildliche Eindrücke, in bunter Reihenfolge:

Mit dabei neben den „üblichen Verdächtigen“ wie Asia Market und Oriental Pantry eben auch das örtliche Konfuzius-Institut. Was dann schon den Anspruch etwas hebt!

Also … 新年快樂 … und möge es weiter so gute Veranstaltungen geben.