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Applaus, Applaus …

Hauptsache, es sieht gut aus … unter diesem Motto greifen sich manche Leute im Medienbereich heute schnellstens „Stock Images„, werfen die in ihre Publikationen, und haben dann ein schickes Aussehen. Wie es mit der geistigen Leistung dabei aussieht, das steht auf einem anderen Blatt. Denn so manches Bild hätte fast gepasst, wenn es nur nicht falsch beschriftet, oder gar am falschen Ort wäre.

Ich hatte ja schon mal das Leid mit den „Aktualisierungen“ bei TripSavvy (war früher mal About.com, wo ich den Irland-Teil schrieb) geklagt. Heute entdecke ich voll der Freude (Schadenfreude, immerhin, und nicht ganz ungetrübt … denn immer noch steht mein Name da als Autor) eine neue Meisterleistung. Im Bemühen um eine ansprechende Gestaltung lässt TripSavvy nahezu alle Bilder austauschen. Meist durch Billigarbeitskräfte und Freelancer, ab und an legt auch fest angestelltes Personal Hand mit an. Allen gemeinsam: Keine Sachkenntnis!

Nimmt man den Artikel „Ireland’s Haunted Hostelries„, dann kommt einem wirklich das Grausen. TL;DR? Von zehn Bildern sind drei vollkommen irrelevante Platzhalter, zwei von zweifelhaftem Nutzen, und immerhin zwei vollkommen falsch am Platz. Eine Trefferquote von 30%, jawohl, das zeugt von Qualität.

Amüsant der Fehler, der den „Photo-Fairies“ beim Ross Castle ganz in der Nähe meines eigenen Domizils passiert ist:

„This is not the Ross Castle you are looking for …“

Wie schon die Webseite von Ross Castle deutlich sagt: „Please note: This website is for Ross Castle in Oldcastle, county (sic!) Meath. This is not Ross Castle in Killarney!“ Und was machen die Leute bei TripSavvy? Suchen bei Getty stur nach „Ross Castle“, bekommen Ross Castle in passend geheimnisvollen Licht, und setzen dann eben dieses Ross Castle ein. Ohne zu begreifen, dass das Bild eben doch Ross Castle in Killarney zeigt. Nicht Ross Castle am Lough Sheelin, ganz woanders, und ganz anders aussehend.

Hake ich jetzt einfach einmal unter „Verantwortliche hatten keine Ahnung und machten sich auch keine Mühe bei der Überprüfung“ ab. Nettes Bild. Aber total falsches Bild. Endgültig ins Bierglas weine ich dann aber bei der Illustration zu O’Brien’s Bar in Churchtown (County Cork), wo Oliver Reed herumspuken soll:

Wer Lesen kann, hat im Leben Vorteile …

Selbst Ollie hätte in seinen versoffensten Nächten wohl noch gemerkt, dass er hier falsch ist. Ich meine, eine tschechische Beschriftung? Und dazu, hilfreich, die englische Übersetzung: „oldest medieval tavern in Prague„? Wie dumm kann man denn noch sein?

Whatever … if you pay peanuts, you get monkeys. Und heute achtet doch kein Leser solcher Listicles mehr auf so unwichtige Details, Hauptsache die schnelle Info und ein paar bunte Bilder. Und der Trend dahin, der immer stärker werdende Druck contra Recherche und pro Massenware, machte dann die Trennung von TripSavvy auch nicht gerade zur Tragödie.

Aber wenn man dann mehr oder minder zufällig solche Heuler findet, dann kann man sich nur an die Muppet Show erinnert fühlen. Und mit Kermit rufen: „Applaus, Applaus …“

Da lobe ich mir dann doch die Zusammenarbeit mit den klassischen Printverlagen … es wird dreimal nachgeschaut, der Autor um Feedback gebeten, erst dann gedruckt. Denn was erstmal gedruckt ist, das steht fest. Naja, man kann online Fehler ja auch schnell verbessern. Wenn man sie denn überhaupt bemerkt.